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Wasserstoff – ein neuer Markt entsteht

|   Baden-Württemberg Lokalnachrichten

Weltweit entwickelt sich aktuell ein neuer Markt rund um die Produktion, den Transport, das Speichern und das Nutzen von Wasserstoff als alternativem Energieträger. Welche Geschäftschancen entstehen dadurch europa- und weltweit für mittelständische Technologieanbieter?

Mittlerweile scheint sich abzuzeichnen: Wasserstoff (H2) wird der Durchbruch als neuer Energieträger gelingen – und vermutlich sogar dem auf Basis erneuerbarer Energien produzierten grünen Wasserstoff.

Die Produktion grünen Wasserstoffs dürfte als erstes an Standorten mit besten Voraussetzungen für das Gewinnen von Solar- und Windenergie wettbewerbsfähig werden. Zur Ländergruppe mit besonders vorteilhaften Standortbedingungen für die Solarstromproduktion zählen vor allem Algerien, Australien, Chile mit seiner Atacama-Wüste, Saudi-Arabien und auch Spanien und für die Windenergie insbesondere Marokko und die Ukraine.

Was für den Marktdurchbruch spricht?

Die hohe Zahl der inzwischen angekündigten und teilweise bereits in Umsetzung befindlichen Großprojekte. Sie reichen von der Wasserstoffproduktion, über den Transport, die Speicherung bis hin zu seiner letztendlichen Nutzung als Energiequelle in der industriellen Fertigung, beispielsweise bei Stahl und Chemie sowie im Verkehr, von Personen- und Lastkraftwagen über Busse und Züge bis hin zu Schiffen und Flugzeugen.

Warum sind diese Großprojekte wichtig für den Marktdurchbruch und besonders interessant für Zulieferer?

Wegen ihrer Skalierungseffekte und der damit verbundenen Kostendegression. Bisher führen zu hohe Produktions- und Transportkosten zu nicht wettbewerbsfähigen Preisen. Technologieanbieter, welche zur Kostenreduktion beitragen können, bieten sich dementsprechend besondere Geschäftschancen.

Ein zentraler Kostenblock sind die Transportkosten. Es bestehen grundsätzlich zwei Transportoptionen – per Gaspipeline oder per Tankschiff.

Besonders teuer ist der H2-Transport per Schiff. Der Wasserstoff muss für diesen Transport verflüssigt werden. Die Verflüssigung erfordert jedoch einen hohen Energieaufwand, so dass ein Transport per Schiff aktuell noch unrentabel ist. Dies führt zu Geschäftschancen für Technologieanbieter, die mit ihren Produkten und Verfahren dazu beitragen können, die Verflüssigung von Wasserstoff günstiger werden zu lassen.

Deutlich aussichtsreicher ist der kostengünstigere Transport per Gas-Pipeline. Diese müssen für den Wasserstofftransport in der Regel zunächst noch ertüchtigt werden. Denn Wasserstoff ist besonders flüchtig. Die Pipelines müssen deshalb anders abgedichtet werden und vor allem durch Kompressoren verdichtet oder der Druck erhöht werden. Ein attraktives Geschäftsfeld für Rohrsanierer, Industriedienstleister und Kompressoren-Hersteller.

Europäisches Pipeline-Projekt

Das vielleicht größte Projekt zum Aufbau eines H2-Pipeline-Netzes ist das von elf Netzbetreibern in zehn europäischen Ländern vorangetriebene „European Hydrogen Backbone“-Projekt. Ziel ist der Aufbau eines H2-Pipeline-Netzes von 23.000 Kilometer Länge bis 2040. Zentraler Kostenpunkt ist die Kompression. Ein klarer Hinweis, dass sich für Anbieter von Kompressoren, denen es gelingt, kostengünstige Lösungen anzubieten, europa- und auch weltweit im Pipelinebereich in den nächsten zwanzig Jahren sehr interessante Geschäftschancen bieten dürften.

Ein anderer Kostenpunkt wird insbesondere der Neubau, aber auch das Retrofitting von Bestands-Gaspipelines zur Nutzung für Wasserstoff sein.

Länderfokus Russland

Russlands Öl- und Gas-Exporte steuern über 60 Prozent zu seinen Gesamtexporten bei. Russland muss bei den gerade in seinen Hauptabsatzmärkten in den nächsten Jahren zu erwartenden Nachfragerückgängen nach fossilen Brennstoffen sein Geschäftsmodell umbauen. Und Russland hat das Potenzial dazu, sogar für die Produktion von grünem Wasserstoff. Die Voraussetzungen könnten in Russland besser kaum sein: Die rechnerische Kapazität für die Onshore-Windkraft liegt bei mindestens dem Tausendfachen der heute in Deutschland installierten Windenergie. Und zwischen Russland, Zentralasien, dem Südkaukasus und der EU existiert schon heute die Transport-Infrastruktur: Die Pipelines, durch die heute Öl und Gas zu uns strömen, können auf Wasserstoff umgestellt werden.

 

Veranstaltungstipp

Online-Konferenz

Wasserstoff als neue Kundenbranche – Geschäftschancen around the world

am 16. März 2021, online

Möchten Sie sich über den sich entwickelnden Markt für Wasserstoff weiter informieren? Die H2-Online-Konferenz der baden-württembergischen IHKs bietet dazu eine perfekte Gelegenheit. AHK-Geschäftsführer vermitteln Ihnen weltweit kompakte Überblicke zu für den Marktaufbau zentralen Ländern: von Australien über Saudi-Arabien, Südafrika und Marokko bis nach Norwegen, Spanien, der Ukraine und Russland.

Gewinnen Sie zudem eine genauere Vorstellung zentraler Großprojekte, die dem Markt zum Durchbruch verhelfen können; über ihren Umfang, ihre Realisierungswahrscheinlichkeiten und die sich für Zulieferer ergebenden Geschäftschancen.

Programm und Anmeldung:
www.rhein-neckar.ihk24.de/event/153147267